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„Die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen!“

Lernen ist kein mechanistischer Prozess sondern die Entwicklung, die aus der Vermittlung von Informationen und der Kombination mit persönlichen Erfahrungen resultiert. Es ist dies ein diskursiver und sozialer Prozess der Auseinandersetzung des Individuums mit persönlicher und gesellschaftlicher Erfahrung. Dieser Prozess benötigt Zeit und Ressourcen. Beides sollte dafür genutzt werden, die Entwicklung von selbstbewussten und solidarischen (der Gemeinschaft verpflichtete) BürgerInnen zu unterstützen.
Lernprozesse sind vom Individuum und von den vorhandenen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen abhängig und somit sehr unterschiedlich. Dies ist in der Gestaltung der Lernprozesse und der Lernumgebung zu berücksichtigen.

Die Bildungspolitik eines Staates gestaltet die dafür erforderlichen Rahmenbedingungen sowohl in Form der Organisation als auch der Inhalte. Zusätzlich ist es jedoch auch Aufgabe des Staates für alle BürgerInnen möglichst optimale Lernumgebungen zu schaffen, um das intellektuelle und soziale Potenzial aller Menschen optimal für den/ die Einzelnen und die Gemeinschaft zu nutzen. Bildung ist die Basis für gesellschaftliche Teilhabe und damit für eine demokratische und solidarische Gesellschaft.
Informationen und Erfahrungen im Bereich der Bildung werden laufend wissenschaftlich begleitet und die Ergebnisse daraus werden publiziert und öffentlich diskutiert. Für die bildungspolitischen Entscheidungen sollte dies eine evidenzbasierte Grundlage bieten.

Der SLÖ reagierte mit folgender OTS Meldung am 12.12.2018:


Kurz und Strache verordnen Österreichs Pflichtschulen heute ein „Pädagogikpaket“, das seinen Namen nicht verdient.

Wien (OTS) – Regierungsabgeordnete loben heute im Parlament die erneute Schulreform als ein Bekenntnis zu Leistung und Notenwahrheit. SLÖ und FSG bezeichnen das Etikettierungspaket als einen Anschlag auf die österreichischen Pflichtschulen und die Autonomie der Schulpartnerschaft.

„Wenn Kurz und Strache vorgeben, dadurch wieder den Leistungsgedanken in der Pflichtschule einzuführen, verheimlichen sie der Öffentlichkeit, dass die Gymnasien die besten Schüler/innen von den Volksschulen erhalten und die berufsbildenden höheren Schulen 70 % ihrer Schüler/innen aus den Neuen Mittelschulen beziehen“, entgegnet Thomas Bulant, Pflichtschullehrer, Gewerkschafter und SLÖ-Vorsitzender. „Mit diesem Paket macht die Regierung das Märchen vom Aschenputtel zu ihrer bildungspolitischen Maxime. Der pädagogische Nutzen dieser Reform ist gleich Null. Kinder und Schulen werden etikettiert. Die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen.“

Da sich der zuständige Minister vor kurzem öffentlich davon verabschiedet hat, in seinem Ressort Entscheidungen aufgrund wissenschaftlicher Grundlagen zu treffen, rät ihm der SLÖ auf das Expertentum in den Schulen zu hören. Die von der Regierung vorbereiteten Tools wie Sitzenbleiben, Nicht genügend und Leistungsgruppen werden in den Schulen nur deshalb nicht abgelehnt werden, da sie aus früheren Jahrzehnten bekannt sind. Lehrer/innen wissen aber genau, dass kein einziges Kind dadurch besser lesen lernen oder sich schneller in die Klassengemeinschaft integrieren wird. „Für das Erlernen und Üben der Grundkompetenzen brauchen wir Kleingruppen statt Leistungsgruppen. Für die Integration von Kindern mit besonderen pädagogischen Herausforderungen brauchen wir Beziehungsarbeit statt Notendruck. Es ist nicht mehr zu akzeptieren, dass die Regierung den Schulen für diese Beziehungsarbeit den Support durch Sozialarbeit und Psychologie verweigert“, klagt Thomas Bulant.

„Mit diesem Paket werden nun die Schüler/innen und ihre Eltern unter Druck gesetzt. Der Misserfolg dieser Reform ist absehbar. Daher hat die Regierung bereits als zweiten Schritt ein Überwachungs- und Belastungspaket in Vorbereitung. Empfänger werden die Lehrer/innen sein“, warnen FSG und SLÖ. „Administrative Mehrarbeit durch Bewertungsraster in der Leistungsbeurteilung in allen Gegenständen, vermehrte Mitteilungspflichten und individuelle Kompetenz- und Potentialtestungen auf der 3., 4., 7. und 8. Schulstufe in den Schularbeitsgegenständen sind geplant. Der Pädagoge droht zum Aschenputtel und Buchhalter des Minoritenplatzes zu werden.“

Bericht zur Bundesleitung und Bundeshauptversammlung SLÖ

Die Bundesleitung und Bundeshauptversammlung war gekennzeichnet durch eine kritische Reflexion der Vorsitzführung vor allem in Bezug auf die Erreichung bzw. Nichterreichung der selbstgesteckten Ziele des scheidenden SLÖ Vorsitzenden Patrick Wolf. Gleichzeitig empfahl er Thomas Bulant zu seinem Nachfolger zu wählen und sprach ihm einen Vertrauensvorschuss, vor allem in Bezug auf seine Doppelfunktion SLÖ-FSG Vorsitzender, aus.

In der Antrittsrede von Thomas Bulant betonte er die Notwendigkeit von Investitionen in die Bildung, um die Leistungsfähigkeit und die sozialen Standards unseres Staates stärken zu können. Die Forderung des SLÖ gemeinsam mit dem FSG nach sozial indizierten Ressourcen, werden in „Briefen für die Zukunft“ an Finanzminister und Finanzlandesräte gerichtet.

Jürgen Czernohorsky strich in seiner Rede hervor, wieder mit Visionen bildungspolitische Themen zu besetzen und sich nicht nur um die kleinen Stellschrauben zu kümmern.

Thomas Bulant wurde mit 93,5% der Delegierten zum Vorsitzenden des SLÖ gewählt. Die übrigen zur Bundesleitung zur Wahl stehenden KanditatInnen wurden mit mindestens 98,9% gewählt.

Thomas Strasser und Linda Urban wurden als stimmberechtigte Mitglieder in die Bundesleitung kooptiert.

Harald Knecht