Archiv der Kategorie: Positionen

Meinungen

Pensionsrecht: FSG-GÖD fordert Abschlagsfreiheit auch für BeamtInnen

Liebe Kolleginnen und Kollegen! Heute Nacht im Parlament wurde etwas Großartiges beschlossen: Wer mindestens 45 Jahre gearbeitet hat (= 540 Beitragsmonate erworben hat), wird nicht mehr mit lebenslangen Pensionsabschlägen bestraft. Bisher hat gegolten: Auch wenn jemand 45 Jahre oder länger gearbeitet hat, musste er/sie bei einem Pensionsantritt vor dem Regelpensionsalter (Männer 65 Jahre, Frauen 60 Jahre) massive Abschläge hinnehmen. Diese Ungerechtigkeit wurde jetzt auf Antrag der SPÖ im Nationalrat beseitigt. Wer 45 Jahre gearbeitet hat, hat bei folgenden Pensionsarten (Antritt ab 1. Jänner 2020) keine Abschläge mehr: • Langzeitversichertenpension: Abschläge von bis zu 12,6% – abgeschafft!
Schwerarbeitspension: Abschläge von bis zu 9% – abgeschafft!
Invaliditätspension: Abschläge von bis zu 13,8% – abgeschafft!

Kindererziehungszeiten werden im Ausmaß von bis zu 5 Jahren (60 Monaten) angerechnet. Auch die Abschläge von bis zu 13,8% beim Sonderruhegeld nach dem Nachtschwerarbeitsgesetz gehören nun der Vergangenheit an. Das ist ein großer Erfolg, den wir wirklich feiern können. Darüber hinaus fordern wir als FSG in der GÖD, dass auch die Abschlagsfreiheit bei Ruhestandsversetzungen von BeamtInnen analog den oben stehenden Beschlüssen umgesetzt wird.

Mit freundschaftlichen Grüßen Hannes Gruber FSG-GÖD Bundesfraktionsvorsitzender GÖD Vorsitzender-Stv.

Haltung zeigen – Kurz abwählen!

An die SPÖ-Abgeordneten zum Nationalrat:

ES REICHT!
Die ÖVP hat durch die Koalition mit der FPÖ eine Regierung gebildet, die zuletzt nur noch durch gesetzliche Maßnahmen auffiel, die den sozialen Frieden in Österreich massiv bedrohten, Armutsgefährdung und Überwachungsmaßnahmen steigerten sowie Kinder und Asylant*innen aussondern. Wir alle haben das hautnah erlebt.

Die schon lange fällige Auflösung der rechtskonservativen Koalition mit der FPÖ wurde nun von ÖVP-KURZ in einer Art und Weise umgesetzt, die eine veritable Regierungskrise auslöste. Zack,zack wurde von einer unmenschlichen Regierungsarbeit auf eine ebenso bedrohliche Wahlkampfarbeit umgestellt. Nunmehr stehen der KURZschen ÖVP Ministerien und Regierungsarbeit für die Umsetzung eines Wahlkampfes mit rechtskonservativen Zielen zur Verfügung.

ES REICHT!

Die Rückschritte in der Bildungspolitik sind deutlich sichtbar:
# Mehr Selektion und Aussonderung durch Deutschförderklassen und Cooldown-Klassen.
# Kürzung der finanziellen Mittel für Fördermaßnahmen an Schulen und in der Aus- und Fortbildung an den Pädagogischen Hochschulen.
# Unnötigen Stress für Schüler*innen und Lehrer*innen durch Einführung von fragwürdigen Testungen zur Selektion (z.B. MIKA-D).
# Fehlen von Maßnahmen zur Förderung der Medienbildung mit digitalen Medien.
# Abschaffung der Neuen Mittelschule und Wiedereinführung eines “Zweiklassensystems” im Hinblick auf Lehrpläne und Beurteilung in der Sekundarstufe
# Wiedereinführung von frühzeitig verpflichtenden Ziffernnoten und Erleichterung des “Sitzenbleibens” in der Primarstufe
# Abkehr vom System eines vertrauensvollen Miteinander in der Schule hin zu einer restriktiven Strafkultur (z.B bei Verletzungen der Schulpflicht)

Die Liste lässt sich noch verlängern.

ES REICHT!

Wir fordern die Parteileitung und die Abgeordneten der SPÖ im Nationalrat auf, die Macht der KURZschen ÖVP zu stoppen und die verbleibende KURZ-Regierung im Parlament abzuwählen.

Es gilt nun eine klare Haltung einzunehmen, rechtem und rechtsextremem Gedankengut KEINERLEI Plattform zu bieten und aufzuzeigen, wie eine solidarische und menschliche Gesellschaft durch zukünftige Regierungsarbeit der SPÖ ermöglicht werden kann. NEUWAHLEN sind gut – aber nur wenn es gelingt, die Fortführung der KURZschen erzreaktionären und rückschrittlichen Politik im Weiteren zu verhindern.

Daher gilt es: HALTUNG ZEIGEN und nicht zaudern.

Diskurs: Gerhard Schmid – Sozialdemokratische Bildungsstrategien

Der gerade erschienene „Nationale Bildungsbericht 2018“ untermauert einmal mehr, dass in der österreichischen Bildungslandschaft nach wie vor keine Chancengerechtigkeit herrscht. Die Bildung der Eltern ist weiterhin ein entscheidender Faktor für den Kompetenzerwerb von Schülerinnen und Schülern. Der Zugang zu höheren Qualifikationen ist bereits durch vorherige Selektionsprozesse bestimmt.  Das Thema Bildung nimmt in der Sozialdemokratie eine bedeutende Stellung ein. Welche Ideen und Strategien aus sozialdemokratischer Sicht können den ernüchternden Ergebnissen des Bildungsberichts entgegenwirken und für mehr Chancengerechtigkeit sorgen? Welche möglichen Handlungsfelder und Anknüpfungspunkte ergeben sich daraus auf unseren Bereich der PädagogInnenbildung? 

Wann: Montag, 29.April 2019 um 18:00 Uhr
Wo: Bildungszentrum SPÖ WienPraterstraße 25, 1020 Wien (U1 Nestroyplatz, 2min. Fußweg) 

Nationaler Bildungsbericht 2018 https://www.bifie.at/nbb2018/

Lernt zählbar zu werden

Der „Masterplan Digitalisierung“ der Bundesregierung im Bildungsbereich wurde Anfang März 2019 vom bmbwf der Öffentlichkeit vorgestellt. Manches ist bereits aus dem Konzept „Schule 4.0“ der vorhergehenden Regierung bekannt, manches ging scheinbar „verloren“. Der vorliegende „Masterplan“ endet mit der Überschrift „Umsetzung notwendig aber keine Wunder erwarten“.

Niemand bezweifelt, dass der technologische Fortschritt und die damit verbundenen Veränderungen in der Arbeitswelt und der Gesellschaft auch im Bildungsbereich Entwicklungen erfordert. Leider oder auch wie zu erwarten war, ist der „Masterplan“ nur auf Vermittlung von technologischen Fertigkeiten zwecks Verbesserung der Mensch-Maschine Kommunikation und Verstärkung der Administration via EDV ausgerichtet. Letzteres erhöht die Sammlung von Daten, die dann wiederum als Grundlage für statistisch basierte Lenkungssysteme (zur Verwirrung der Menschen wird das „Künstliche Intelligenz“ genannt, dienen. Die bereits bemerkbaren gesellschaftlichen Auswirkungen sind kein spezielles Thema. Sicherlich ist zu begrüßen, wenn Roboter die Arbeit – vor allem unangenehme Arbeit – übernehmen. Es wird in Expertisen davon ausgegangen, dass etwa 40% der Tätigkeiten in der Arbeitswelt automatisiert werden können. Es ist daher notwendig seitens des Staates entsprechende Rahmenbedingungen zu schaffen und dabei die sozialen Probleme nicht aus den Augen zu verlieren und entsprechende Antworten zu finden. Dies bedeutet einen gesellschaftlichen Diskurs – auch im Bildungsbereich – zu führen.

Es gibt bereits eine erste Antwort auf den „Masterplan“: Das interfakultäre Forum Innsbruck Media Studies (IMS) hat letzte Woche eine Erklärung veröffentlicht, die die einseitige Sichtweise der Regierung kritisiert und auf relevante gesellschaftliche Aspekte verweist. Die Erklärung ist hier Online und das IMS lädt ein diese durch Unterstützungserklärungen (ebenfalls online möglich) zu stärken. Ich kann mich dem nur anschließen und ersuchen ein Zeichen durch die Unterschrift zu setzen.

Literaturempfehlung:

Literaturempfehlung:
Werner Rätz, Dagmar Paternoga, Jörg Reiners, Gernot Reipen (Hg.), DIGITALISIERUNG? GRUNDEINKOMMEN! , Berlin 2019, Mandelbaum Verlag

BEIGEWUM, Umkämpfte Technologien – Arbeit im digitalen Wandel, Hamburg 2018, VSA

Kommentar von außen

Letzten Donnerstag hat sich die allwöchentliche Donnerstags-Demo also speziell dem Thema Bildung gewidmet. Meinem Sohn, der keine Lust hatte nochmals die Wohnung zu verlassen um demonstrieren zu gehen, musste ich darauf einschwören, dass es manchmal notwendig ist für ein Anliegen, das einem wichtig ist, seine Stimme zu erheben. Auch dann, wenn es gerade nicht gemütlich ist oder in den Zeitplan passt. Neben anderen kritikwürdigen Vorhaben der politischen EntscheidungsträgerInnen treffen ihn und alle anderen Kinder die geplanten und bereits durchgeführten Umwälzungen im Bildungsbereich nämlich ganz besonders.
Bei der letzten Elternvereinssitzung der Schule meines Sohnes ging es dann auch um ebendiese Änderungen und die konkreten Auswirkungen des sogenannten Pädagogik-Pakets 2018 und des Bildungsreform-Gesetzes 2017 für unsere Kinder. Wir als Eltern konnten dabei jedoch wieder keine Auskunft darüber bekommen, ob z.B. eine Weiterführung der Mehrstufenklassen im kommenden Schuljahr überhaupt möglich sein wird. Bei den sogenannten MSK-Klassen handelt es sich um ein sehr erfolgreiches Konzept des jahrgangsübergreifenden Unterrichtens, welches bereits seit vielen Jahren an immer mehr Wiener Volksschulen Anklang findet. In diesen Klassen verkommt das an den Bildungsinstitutionen immer wieder vorgebrachte „Individualisieren und Differenzieren“ nämlich nicht zu einem bloßen Stehsatz, sondern wird tagtäglich gelebt. Dafür bedarf es aber natürlich auch der entsprechenden personellen Ausstattung und Ressourcen. Mehrstufenklassen werden auch nicht offiziell abgeschafft werden, da sie einfach zu erfolgreich sind und die Zufriedenheit aller Beteiligten (SchülerInnen, PädagogInnen, Eltern) extrem hoch ist. Allein es reicht der Entzug von personellen Ressourcen mit Verweis auf die Schulautonomie, um ein Weiterführen dieser Klassen de facto zu verunmöglichen.
Wir als besorgte Eltern, aber auch die PädagogInnen werden hier mit dem Verweis auf Schulautonomie und ungewisse, aber wohl gekürzte, Ressourcenverteilung im Unklaren darüber gelassen, wie der Schulbetrieb im nächsten Jahr konkret aussehen wird. Eine Planungssicherheit gibt es also weder für die Kinder und ihre Eltern noch für die PädagogInnen, die für das Funktionieren des Betriebes notwendig sind.
Meine Wahrnehmung ist es, dass zurzeit ein Verhandlungspoker zwischen Bund und Ländern um Kosten und Ressourcenfinanzierung stattfindet, der auf dem Rücken der PädagogInnen, Eltern und vor allem SchülerInnen ausgetragen wird.
Den Befürchtungen der PädagogInnen, die den Schulbetrieb tagtäglich am Laufen halten und diese Sorgen auch oftmals artikulieren, wird politisch kaum Gehör geschenkt. Dies ist schon allein daran erkennbar, dass noch bei bisher keiner Bildungsreform Vorschläge von praktizierenden PädagogInnen tatsächlich ernst genommen worden wären. Ein Grund dafür könnte sein, dass sie vom Schulsystem bis zu einem gewissen Grad abhängig sind und sich oft genug den gegebenen Rahmenbedingungen gebeugt haben und auch immer wieder beugen müssen.
Umso mehr muss es die Bestrebung besorgter Eltern sein hier mit starker Stimme zu sprechen und „Nein“ zu Einschnitten im Bildungssystem zu sagen. Bildung darf kein Spielball der Politik sein. Eltern sind eine nicht unerhebliche WählerInnengruppe und können einen starken öffentlichen Druck aufbauen, wenn sie sich entsprechend formieren und organisieren und ungeachtet ihrer sonstigen politischen Einstellungen mit geeinter Stimme sprechen. Erste zarte Bestrebungen diesbezüglich gibt es, jedoch bedarf es kollektiv mehr Anstrengung unsererseits, um hier auch als politischer Faktor tatsächlich wahrgenommen und ernstgenommen zu werden.
Meinen Kindern möchte ich sagen können, dass jeder und jede Einzelne es sehr wohl in der Hand hat,
eine Veränderung herbeizuführen oder auch nur anzustoßen. Manchmal muss man dafür aber aus
seiner Komfortzone heraustreten und sich vor allem auch positionieren und für etwas eintreten.

Mag. Stefan Knapp

DO! 17.1.2019 Bildungsdemo!

Der SLÖ-PH Wien ruft zur Teilnahme an der Donnerstagsdemo am 17.1.2019 in Wien auf!

Kritik des SLÖ PH Wien am „Pädagogikpaket“ ist hier nachzulesen.

Treffpunkt: 18 Uhr – Landstraßer Hauptstraße 26, 1030 Wien

Gemeinsam mit der IG DaZ DaF Basisbildung (IG Arbeitsbedingungen DAZ Basisbildung – Organisierung gegen Ausbeutung) und weiteren kritischen Bildungsinitiativen sowie mit Lehrer*innen, Schüler*innen und Eltern, die für gleichberechtigten Zugang zu guter Bildung für Alle kämpfen, rufen wir einander und auch allen, die noch nicht dabei sind, zu:

Demo bildet! Bildet Demos!

Vielstimmig wehren wir uns gegen die Bildungspolitik dieser Regierung. Denn die Bildung, die wir wollen, ist keine Ware und auch kein Allheilmittel. Sie gehört nicht dem Markt und nicht den Eliten. Sie soll aus uns weder produktive Arbeitskräfte noch vereinheitlichte Menschen machen.

Die Bildung, die wir wollen und für die wir gemeinsam kämpfen, bringt Inklusion statt Ausgrenzung, stärkt die Vielstimmigkeit und macht Schluss mit dem Deutsch- und Einheitswertezwang.

Die Bildung, die wir wollen, macht solidarisch, frei und widerständig, nährt unser Begehren nach Wissen und Veränderung. Sie lehrt uns, die gewaltvollen Verhältnisse zu beenden.

Wir sind jetzt zusammen und zusammen lernen und kämpfen wir. Wir bilden Demos, bilden uns weiter, auch auf Demos, wir bilden Versammlungen und Aktionen, Unterstützungsgruppen und Widerstandszellen. Gemeinsam bilden wir die Praxis der Freiheit und Veränderung, die Gerechtigkeit und ein gutes Leben für Alle bringt.

Wir treffen uns vor dem Österreichischen Integrationsfonds in der Landstraßer Hauptstraße 26 im 3. Bezirk und und gehen von hier aus in einer Demonstration zu einer Zwischenkundgebung am Hauptbahnhof. Von dort ziehen wir dann weiter nach Favoriten zur Abschlusskundgebung am Keplerplatz.

Den Regierenden, Nutznießer_innen und Mitläufer_innen werden wir ausrichten:

„Ihr werdet euch noch wundern, wer da aller Demos bildet!“

Weitere Infos: https://wiederdonnerstag.at/

Das Bündnis „Heisser Herbst“ ruft auf:

Breiter Protest zum ersten Jahrestag von Schwarz-Blau

Großdemo gegen die Regierung Kurz-Strache am Samstag in Wien

Wien (OTS) – Am 15. Dezember wird eine Demonstration mit zehntausenden TeilnehmerInnen aus ganz Österreich der Regierung Kurz-Strache ein lautstarkes Ständchen zu ihrem ersten Geburtstag singen. Dazu ruft ein breites Bündnis gewerkschaftlicher, antifaschistischer und fortschrittlicher Organisationen auf.  

„Während wir uns ‚freiwillig‘ dumm und deppert hackeln sollen, regnet es Steuergeschenke für Großunternehmen und die oberen fünf Prozent. Um von ihrer antisozialen Politik abzulenken, werden Menschen gegeneinander aufgehetzt und Geflüchtete zu Sündenböcke für alles erklärt,“ fasst Käthe Lichtner vom Bündnis „Heißer Herbst“ die Agenda der Regierung nüchtern zusammen.

Für die breite Mehrheit der in Österreich lebenden Menschen ist ein Jahr Schwarz-Blau kein Grund zu feiern. Denn eine Politik, die den Ärmsten nimmt und den Reichsten gibt, die die Spaltung der Gesellschaft, Rassismus und Hetze befeuert, stellt keine Alternative dar. Lichtner weiter: „Es reicht. Seit Jahrzehnten trägt die Bevölkerungsmehrheit die Kosten für Spar- und Kürzungsmaßnahmen. Einige wenige werden gleichzeitig immer reicher und reicher. Wir haben es satt, dass gegen Menschen gehetzt wird, die vor Hunger, Krieg und Elend fliehen, während die Mächtigen immer mächtiger werden. Uns reicht es mit Schwarz-Blau und ihrer menschenverachtenden Politik.

An der Demonstration beteiligen sich neben zahlreichen antifaschistischen Bündnissen aus den Bundesländern unterschiedliche Initiativen: Gewerkschaftliche Organisationen, feministische, ökologische und antirassistische Zusammenhänge. Gemeinsam werden wir ein starkes Zeichen gegen die Politik des sozialen Kahlschlags von Schwarz-Blau setzen.

Nach Diskussionen mit der Landespolizeidirektion Wien wurde folgende Route festgelegt:
Christian-Broda-Platz (Treffpunkt 14:00) – Gürtel – Burggasse – Bellariastraße – Ring – Heldenplatz 

Großdemonstration gegen Schwarz-Blau

Gemeinsam gegen Rechtsruck, Rassismus und Sozialabbau

Samstag, 15. Dezember 2018

14:00, Christian-Broda-Platz (Westbahnhof)  

Stellungnahme der Koordinierungsplattform Heißer Herbst zur möglichen Teilnahme nationalistischer Kräfte: https://heisserherbst807060605.wordpress.com/2018/12/11/stellungnahme-grossdemo-nationalismus-unerwuenscht/


„Die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen!“

Lernen ist kein mechanistischer Prozess sondern die Entwicklung, die aus der Vermittlung von Informationen und der Kombination mit persönlichen Erfahrungen resultiert. Es ist dies ein diskursiver und sozialer Prozess der Auseinandersetzung des Individuums mit persönlicher und gesellschaftlicher Erfahrung. Dieser Prozess benötigt Zeit und Ressourcen. Beides sollte dafür genutzt werden, die Entwicklung von selbstbewussten und solidarischen (der Gemeinschaft verpflichtete) BürgerInnen zu unterstützen.
Lernprozesse sind vom Individuum und von den vorhandenen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen abhängig und somit sehr unterschiedlich. Dies ist in der Gestaltung der Lernprozesse und der Lernumgebung zu berücksichtigen.

Die Bildungspolitik eines Staates gestaltet die dafür erforderlichen Rahmenbedingungen sowohl in Form der Organisation als auch der Inhalte. Zusätzlich ist es jedoch auch Aufgabe des Staates für alle BürgerInnen möglichst optimale Lernumgebungen zu schaffen, um das intellektuelle und soziale Potenzial aller Menschen optimal für den/ die Einzelnen und die Gemeinschaft zu nutzen. Bildung ist die Basis für gesellschaftliche Teilhabe und damit für eine demokratische und solidarische Gesellschaft.
Informationen und Erfahrungen im Bereich der Bildung werden laufend wissenschaftlich begleitet und die Ergebnisse daraus werden publiziert und öffentlich diskutiert. Für die bildungspolitischen Entscheidungen sollte dies eine evidenzbasierte Grundlage bieten.

Der SLÖ reagierte mit folgender OTS Meldung am 12.12.2018:


Kurz und Strache verordnen Österreichs Pflichtschulen heute ein „Pädagogikpaket“, das seinen Namen nicht verdient.

Wien (OTS) – Regierungsabgeordnete loben heute im Parlament die erneute Schulreform als ein Bekenntnis zu Leistung und Notenwahrheit. SLÖ und FSG bezeichnen das Etikettierungspaket als einen Anschlag auf die österreichischen Pflichtschulen und die Autonomie der Schulpartnerschaft.

„Wenn Kurz und Strache vorgeben, dadurch wieder den Leistungsgedanken in der Pflichtschule einzuführen, verheimlichen sie der Öffentlichkeit, dass die Gymnasien die besten Schüler/innen von den Volksschulen erhalten und die berufsbildenden höheren Schulen 70 % ihrer Schüler/innen aus den Neuen Mittelschulen beziehen“, entgegnet Thomas Bulant, Pflichtschullehrer, Gewerkschafter und SLÖ-Vorsitzender. „Mit diesem Paket macht die Regierung das Märchen vom Aschenputtel zu ihrer bildungspolitischen Maxime. Der pädagogische Nutzen dieser Reform ist gleich Null. Kinder und Schulen werden etikettiert. Die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen.“

Da sich der zuständige Minister vor kurzem öffentlich davon verabschiedet hat, in seinem Ressort Entscheidungen aufgrund wissenschaftlicher Grundlagen zu treffen, rät ihm der SLÖ auf das Expertentum in den Schulen zu hören. Die von der Regierung vorbereiteten Tools wie Sitzenbleiben, Nicht genügend und Leistungsgruppen werden in den Schulen nur deshalb nicht abgelehnt werden, da sie aus früheren Jahrzehnten bekannt sind. Lehrer/innen wissen aber genau, dass kein einziges Kind dadurch besser lesen lernen oder sich schneller in die Klassengemeinschaft integrieren wird. „Für das Erlernen und Üben der Grundkompetenzen brauchen wir Kleingruppen statt Leistungsgruppen. Für die Integration von Kindern mit besonderen pädagogischen Herausforderungen brauchen wir Beziehungsarbeit statt Notendruck. Es ist nicht mehr zu akzeptieren, dass die Regierung den Schulen für diese Beziehungsarbeit den Support durch Sozialarbeit und Psychologie verweigert“, klagt Thomas Bulant.

„Mit diesem Paket werden nun die Schüler/innen und ihre Eltern unter Druck gesetzt. Der Misserfolg dieser Reform ist absehbar. Daher hat die Regierung bereits als zweiten Schritt ein Überwachungs- und Belastungspaket in Vorbereitung. Empfänger werden die Lehrer/innen sein“, warnen FSG und SLÖ. „Administrative Mehrarbeit durch Bewertungsraster in der Leistungsbeurteilung in allen Gegenständen, vermehrte Mitteilungspflichten und individuelle Kompetenz- und Potentialtestungen auf der 3., 4., 7. und 8. Schulstufe in den Schularbeitsgegenständen sind geplant. Der Pädagoge droht zum Aschenputtel und Buchhalter des Minoritenplatzes zu werden.“

Anmerkungen zu den Gehaltsverhandlungen 2019

Sehr erfreut zeigten sich die GÖD Verhandler über die Ergebnisse der Kollektivvertragsverhandlungen 2019. 

Wir haben die Verhandlungen im GBA der PH Wien diskutiert und auf Initiative der FSG Fraktion folgendes Schreiben an den Vorsitzenden der GÖD und Leiter der Verhandlungen gesandt:

Sehr geehrter Herr Vorsitzender Dr. Schnedl,

abgesehen von den Verhandlungen zu den Gehältern, sehen wir als Aufgabe der Gewerkschaft Rahmenbedingungen im Sinne der ArbeitnehmerInnen zu verhandeln.

Im Falle von Hochschullehrpersonen (Vertragshochschullehrpersonen) fordert der GBA der PH Wien von der GÖD-Vertretung daher, vor allem auf folgende Rahmenbedingungen einzugehen, welche die Arbeit der Lehrenden an den Pädagogischen Hochschulen verstärkt belasten:

  • Im Auftrag des Bundesministeriums haben die PHen sowohl das Masterstudium der Primarstufe als auch diverse neue Lehrgänge kostenneutral – ohne zusätzliche Ressourcen – zu bewältigen. Dies zieht in weiterer Folge eine Mehrbelastung der HS-Vertrags-/Lehrpersonen mit sich, da diese ab 2019/20 wieder mit erhöhtem Lehrauftrag zu rechnen haben.     
  • Aufgrund des Aufnahmestopps des Bundes kommt es noch immer zu Engpässen im Verwaltungsbereich (siehe Rechnungshofbericht). Dies bedeutet oftmals, dass Verwaltungsaufgaben von HS-Vertrags-/Lehrpersonen übernommen werden müssen (IT/EDV-Bereich, die gesamte Administration der Fortbildungen etc.)
  • Ebenso muss aufgrund des Aufnahmestopps nach wie vor auf Dienstzuteilungen und Mitverwendungen zurückgegriffen werden. Ein Wechsel in den Bundesdienst ist nur auf Vertragsbasis möglich, was oftmals mit erschwerten Bedingungen einher geht (z.B. aus dem pragmatischen Dienstverhältnis zum Land kommend).
  • Mit der Zuordnung der PHen in Sektion II (Personalentwicklung, Pädagogische Hochschulen, Schulerhaltung und Legistik) ist bedauerliche Weise zu erwarten, dass die Forschungsarbeit an den PHen wieder zurückgestellt wird, obwohl diese im Dienstrecht unter § 48g (2) festgeschrieben ist (unter „Aufgaben in der wissenschaftlich-berufsfeldbezogenen Forschung“).

Hochachtungsvoll und mit freundlichen Grüßen

der GBA der PH Wien

Barbara Holub (Vorsitzende)

Christian Berger (Stellvertreter), Barbara Gullner (Schriftführerin), Angelika Zagler(Stv. Schriftführerin), Hans Peter Freudenthaler, Andrea Hoch


Stimmlagen! – Radiosendungen

Stimmlagen 2018:
Wen schützt Europa wovor?
Beiträge Freier Radios zur EU-Präsidentschaft

(Grafik: Juliana Melzer)

Von Juli bis Dezember 2018 hat Österreich den Vorsitz im Rat der Europäischen Union inne. Die Regierung hat den Ratsvorsitz unter das Motto „Ein Europa, das schützt“ gestellt und als zentrales Thema „Sicherheit und den Kampf gegen illegale Migration“ definiert.

Die Freien Radios in Österreich hinterfragen Themenstellungen wie Motto in einem vielstimmigen Programmschwerpunkt von 26. Oktober bis 4. November: 10 Tage mit 10 einstündigen Sendungen aus 10 verschiedenen Freien Radios – kritisch, informativ und crossmedial.

Zu hören in deinem Freien Radio von 26. Oktober bis 4. November 2018

Weitere Informationen zum Programm und zum Nachhören sind hier zu finden: https://stimmlagen.at/