Dienstrecht NEU und Forschung? Geht nicht, gibt’s!

von Thomas Strasser, Institut für übergreifende Bildungsschwerpunkte

Lehre, Forschung und Entwicklung sind in der Regel die zentralen Arbeitsbereiche der PHs. Fakt ist, dass der Lehre die größte Bedeutung zukommt. Natürlich sind auch einige Forschungsperformanzen an den PHs vor allem im berufsfeldspezifischen Kontext erkennbar. Um sich aber in einer internationalen und transsektoralen Scientific Community als Hochschule positionieren bzw. eine gewisse Reputation aufzubauen zu können, bedarf es im wissenschaftsdiskursiven- bzw. -performativen Kontext einer weit höheren Professionalität der PHs in unterschiedlichen Forschungssegmenten.

Diese eben genannte Professionalität, die traditionell stärker an den Universitäten verankert ist, hat aus meiner Sicht nach wie vor starke Defizite an den Pädagogischen Hochschulen. Der Grund dafür ist sicherlich nicht ausschließlich die mangelnde Forschungskompetenz der Dozierenden (alleine in unserem Haus gibt es eine immer größer werdende KollegInnenschaft, die ihre Expertise in international anerkannten Projekten bzw. Publikationen präsentiert), sondern vielmehr ein schlecht verhandeltes, die Forschungsdimension komplett ausblendendes Dienstrecht. Um bestehende Forschungsexpertise im Haus auch (inter)national ausbauen bzw. Forschungsnachwuchs fördern zu können, braucht es aber mehr als ein nicht gerade wissenschaftsförderndes Dienstrecht, das von forschungsfernen Gewerkschaftern ausgehandelt wurde.

Ein 5/6-Wochen-Urlaubskonzept, das mit dem Killerargument der Anpassung an die privatwirtschaftliche Usance tretmühlenartig gepredigt und gerechtfertigt wird (Anmerkung: generell ist es in Frage zu stellen, privatwirtschaftliche Modelle in Bildungseinrichtungen einzuführen), ist eine Farce, da es de facto nicht die Möglichkeit gibt, sich in der lehrveranstaltungsintensiven Zeit Urlaub zu nehmen, also ein pseudo-privatwirtschaftliches Modell mit vielen Falltüren. Nun ist es einmal so, dass sich Call-for-Papers, wichtige Tagungen bzw. wissenschaftliche Projektdeadlines nicht nach verschulten Stundenplänen der PHs richten, sodass viele ForscherInnen ihre, für die eigenen Karriere bzw. Reputation der PH förderliche Papers (somit eine win-win-Situation) bei Tagungen nicht präsentieren/disseminieren können, da möglicherweise ein Termin mit einer LV kollidiert und auch in vielen Fällen nicht einmal der freiwillig geopferte Urlaub (Paradoxon: man muss teilweise um Erholungsurlaub(!) für die im Arbeitspaket ohnehin festgehaltenen Aufgaben, wie z.B. der Forschung, ansuchen) genehmigt wird, denn: die Lehre geht vor. Fairerweise muss konstatiert werden, dass sich die meisten InstitutsleiterInnen bemühen, die ForscherkollegInnen freizuschaufeln, was aber nur in den wenigsten Fällen und vor allem nur bei jenen KollegInnen funktioniert, die z.B. aufgrund eines Stipendiums reduziert in der Lehre tätig sind (Stichwort: verschultes Stundenplanprinzip mit wenig terminlichen Gestaltungsräumen). Und das sind an den PHs sehr wenige KollegInnen, da aufgrund des Primats des überdimensionierten Lehrdeputats ForscherInnen eben mehr lehren als forschen (müssen).

Das ist der falsche Ansatz, der u.a. aber auch mit den ausverhandelten „all inclusive“-Verträgen, die lediglich die Lehre zahlenmäßig/zeitressourcentechnisch präzisieren und das Forschungsportfolio mit vage formulierten Textbausteinen „definieren“, begründet werden kann. Es ist somit eine eindeutige Pauschalisierung des workloads sowohl aus konzeptioneller und personalpolitischer Sicht vor allem im Bereich der Forschung erkennbar. Das Dienstrecht NEU mit seinen „all inclusive“-Verträgen, ausverhandelt von zugegebenermaßen sehr provinziell denkenden, konservativen und forschungsfremden Gewerkschaftern, verhindert aktive Partizipation der PH-ForscherInnen am wissenschaftlichen Diskurs, da es bei vielen rein aus zeitlichen Gründen (hohe Lehrverpflichtung) bzw. aufgrund unscharfer, globaler Verklausulierungen im Bereich der Forschung und der immer mehr werdenden und selbst zu erledigenden Verwaltungsaufgaben (Stichwort: keine Nachbesetzungen im Verwaltungsbereich) kaum mehr möglich ist, sich der Forschung ernsthaft zu widmen. Ein Dienstrecht NEU mit unscharf formulierten „all-inclusive“-Arbeitspaketen, einer undifferenzierten Pauschalisierung der Arbeit, bei der Verwaltungsaufgaben, intellectual outcomes, Studierendenservice, etc. kategorisch bzw. undifferenziert in ein und denselben Topf geworfen, verwaltungsaffine MitarbeiterInnen zur Forschung bzw. Lehre und ForscherInnen zu einem unverhältnismäßig hohem Lehrdeputat und teilweise schikanösen Verwaltungsaufgaben verpflichtet werden und man vor allem (dienst)jüngeren MitarbeiterInnen (mit einem ohnehin schon relativ niedrigem Salär) sämtliche Zusatzleistungen bzw. Mehrdienstleistungen monetär streicht und durch schwammige Formulierungen in einem „All-inclusive“-Vertrag versteckt, wird mit großer Sicherheit dazu führen, dass PH-Forschung vor allem auch im momentan statt findenden curricularen Diskurs mit den Unis (Stichwort: PädagogInnenbildung NEU) nicht wahrgenommen wird, aktive wissenschaftliche Gestaltungsmöglichkeiten u.a. auch bei der Sekundarstufenausbildung verhindert bzw. bloß ein Hobby ambitionierter PH-ForscherInnen, deren Perspektivlosigkeit mit einer wissenschaftsfeindlichen All-in-Regelung teilweise schon determiniert ist, bleiben wird.

Daher:

Zuviel ist zuviel!

#Dienstrecht NEU verschärft Ungerechtigkeiten vor allem im Bereich der Forschung. Wir fordern:

  • eine Verringerung des Lehrdeputats bei ForscherInnen
  • Abschaffung des „all-inclusive“ Dienstrechtes und viel konkreteres Wording bzw. Aufgaben im Bereich der Forschung (Abschaffung von Allgemeinposten wie „Forschungsarbeit an der PH Wien“ hin zu klaren Forschungsaufträgen bzw. Meilensteinen (z.B. Teilnahme an mehreren CfP, )
  • Verringerung der zeitintensiven Verwaltungsarbeit, Aufstockung des Verwaltungspersonals.

Verbesserung der Arbeitsbedingungen!

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

mit Einführung des neuen Dienstrechtes ist es vermehr zur Unzufriedenheit der Kollegenschaft mit ihren Arbeitsbedingungen gekommen.

Unterschiedliche Gründe sind dafür verantwortlich:

– Ausreizung des Dienstrechtes in Bezug auf den Einsatz in der Lehre (20h Lehre statt 15h)

– Überlastung aufgrund diverser zusätzlicher Arbeitsaufträge in den anderen Bereichen

– Überlastung durch enormen Aufwand in Bereich Administration (Verwaltungstätigkeiten!)

– Unklare Aufgabenzuteilung in den Arbeitspaketen ohne genauere Zielvereinbarung

– Die Bedeutung der Forschung steht weiterhin im Schatten der Lehre

– Ein begrenzter Urlaubsanspruch von 5/6 Wochen, der nur in der unterrichtsfreien Zeit zu nehmen ist und daher längerfristig nicht planbar ist

– u.a.m

Im Gegensatz zu den Standesvertretern der FCG, die dieses Dienstrecht für uns ausgehandelt haben, wollen wir uns damit nicht abfinden.

Daher fordere wir die Nachverhandlung des Dienstrechtes im Sinne der MitarbeiterInnen

und

wir setzen uns für euch am Standort PH Wien, indem wir in eine konstruktive Diskussion mit der Führungsebene treten.

Daher kandidiere ich bei der Personalvertreter/innen Wahl für die Gruppe FSG-SLÖ!

Barbara Holub

Personalvertretung – na und?

von Christian Berger

Als PersonalvertreterIn wird Mensch allzu oft misstrauisch beäugt. Die einen meinen “ Die sind eh nur vor Wahlen zu erkennen”, andere wieder sind mit der Arbeit der PersonalvertreterInnen unzufrieden, da die Lösung vieler individueller Probleme lange dauert oder nicht gelingt.  “Warum tust du dir das an da zu kandidieren?”, fragen mich KollegInnen und Freunde. Personalvertetung ist ehrenamtlich, also zusätzliche Arbeit und sicherlich gibt es unterschiedlichste individuelle Gründe für die Kandidatur. Ich kann da nur meine nennen, vielleicht gelten manche auch für KollegInnen.

Eine Personalvertretung ist als Instrument für den Interessenausgleich bei Arbeitskonflikten wichtig und ich erachte es für mich als politisch (nicht parteipolitisch) denkenden und handelnden Menschen für notwendig mich da zu engagieren.

Worin sehe ich das Konfliktpotenzial an der PH?

Mit dem “Dienstrecht NEU” und der “LehrerInnen- (leider nicht PädagogInnen-) -bildung NEU” stellen sich neue Herausforderungen. Von einer konservativen Gewerkschaft wurde mit einem konservativen Beamten ein Dienstrecht ausgehandelt noch ehe eigentlich klar war, welche Aufgaben und Funktionen die PHs und damit das dort tätige Personal übernehmen sollen.

Ein “all inclusive” Dienstvertrag wird von allen anderen Gewerkschaften aus guten Gründen für die ArbeitnehmerInnen abgelehnt. Das mag im gehobenen Management Sinn machen, aber bei DienstnehmerInnen?

Die MitarbeiterInnen an der PH haben nun ein Dienstrecht, das alle Tätigkeiten pauschal abgilt. Egal wie viel Arbeitszeit da zusammenkommt. Egal ob die Sachressourcen (Material, Räume,..) ausreichen.

5 Wochen Urlaub, die allerdings nur in der unterrichtsfreien Zeit konsumiert werden können und erst zugesagt werden, wenn der Stundenplan fixiert ist.

Lehre, Forschung und Entwicklung sind drei zentrale Arbeitsbereiche. Die Lehre steht allem voran und ist mit Stunden belegt. Der Rest ist frei verhandelbar

Zudem werden Budgetmittel gekürzt. Egal wie viele Studierende an einer Hochschule sind – die Budgetpläne berücksichtigen das kaum. Je größer die Hochschule desto weniger Budget/Studierenden. Da steigen dann schnell mal die Gruppengrößen der Studierenden und oftmals wird dann aus einem Seminar eine Vorlesung. Lob vom Rechnungshof für die „sparsame“ PH Wien – der Sparkurs findet allerdings auf dem Rücken der MitarbeiterInnen statt.

Das neue Dienstrecht verschärft Ungerechtigkeiten, da die seitens Regierung verordnete Mangelwirtschaft eben auf den Rücken der MitarbeiterInnen “all inclusive” abwälzt wird.

Da sind Konflikte vorprogrammiert.  An der PH sind derzeit StammlehrerInnen, dienstzugeteilte LehrerInnen (= aus Wiener Schulen auf ein Jahr zeitlich begrenzt vom SSR an PH verliehen, unterliegen dem PH Dienstrecht) und mitverwendete LehrerInnen (mit max. 10 WE an der PH tätige LehrerInnen, jährlich neu zu beantragen, unterliegen dem Lehrerdienstrecht und nicht dem der PH).

Viele Verwaltungsaufgaben werden durch LehrerInnen ausgeführt, da es an der PH kein ausreichendes Verwaltungspersonal gibt. Gleichzeitig fehlt dann Personal für die Lehre und die Forschung. Mit anderen Worten: Sparprogramme produzieren Arbeitskonflikte!

Diese Rahmenbedingungen können nur organisiert geändert werden – das ist Aufgabe der Gewerkschaft und vor Ort eben des Gewerkschaftlichen Betriebsausschusses (GBA). Die Personalvertretung (PV) wieder hat die Aufgabe aufzupassen, dass bestehende rechtliche Vorgaben eingehalten werden. In Konfliktsituationen sind beide Vertretungen relevant und können KollegInnen dabei unterstützen, ihr Recht durchzusetzen, aber auch ihre bildungspolitischen Forderungen zu artikulieren.

Daran möchte ich mitarbeiten und deshalb kandidiere ich. Wie weit es mir gelingt die Arbeit der PV und des GBA transparent zu machen  wird wohl auch dran liegen, ob mir dafür ausreichend Freizeit bleibt.

Daher:

ZUVIEL ist ZUVIEL!
# Dienstrecht NEU  verschärft Ungerechtigkeiten!
-> Gleichwertige Bewertung von Forschung/Lehre/Entwicklungsarbeit!

# Dienstrecht NEU bedeutet Mangelwirtschaft am Rücken des Personals!
-> Abschaffung des “All Inclusive” Dienstrechtes!
-> Vertrauensarbeitszeit im Rahmen einer Jahresarbeitszeit!

-> Mehr Verwaltungspersonal für die PH!

Die PV und den GBA dürfen an der PH sowohl StammlehrerInnen als auch dienstzugeteilte und mitverwendete LehrerInnen! Nutzt euer Wahlrecht!