Archiv der Kategorie: Positionen

Meinungen

Ziele für die kommenden KV-Verhandlungen

Liebe KollegInnen!
Heute sind über 900 Kollektivvertrags-VerhandlerInnen aus allen Gewerkschaften zum ersten Mal zu einer Konferenz zusammengekommen. Die Linie, auf die sie sich geeinigt haben, ist klar: Vor dem Hintergrund des von der Regierung beschlossenen 12-Stunden-Tags und der 60-Stunden-Woche geht es neben ordentlichen Lohn- und Gehaltserhöhungen vor allem auch um Arbeitszeit.

Planbarkeit, Selbstbestimmung, Rechtssicherheit, Arbeitszeitverkürzung

Die VerhandlerInnen haben sich auf der Konferenz auf gemeinsame Ziele geeinigt: Im Bereich Arbeitszeit braucht es für alle Branchen Planbarkeit, Selbstbestimmung, Rechtssicherheit und nicht zuletzt eine Arbeitszeitverkürzung. Verhandelt soll nicht nur in den ohnehin anstehenden KV-Runden werden, sondern in allen Branchen. Entsprechend fordern die Gewerkschaften von ihrem jeweiligen Gegenüber auf Arbeitgeberseite eine Sonder-KV-Runde zum Thema Arbeitszeitregeln.

Initiative für ein modernes Arbeitszeitrecht

Die Bundesregierung hat das neue Arbeitszeitgesetz im Eilverfahren durchgepeitscht – ohne Einbindung der Sozialpartner und der Bevölkerung. Es gab keine Begutachtung für das Gesetz, das massive Auswirkungen auf Gesundheit, Freizeit und Einkommen von 3,6 Millionen ArbeitnehmerInnen hat. Der ÖGB startet daher die größtmögliche Begutachtung in Form einer Initiative für ein neues, modernes Arbeitszeitrecht. Dazu sollen Beiträge aus der Zivilgesellschaft gesammelt werden, ExpertInnen auf unterschiedlichen Ebenen einbezogen und letztendlich Gespräche mit allen politischen Parteien geführt werden. Wir starten diese Initiative, um die Lebensarbeitszeit in all ihren Facetten neu und modern zu denken. Denn wir wollen gute Arbeit und ein gutes Leben für alle ArbeitnehmerInnen.

Wir kämpfen Branche für Branche!

Die Kritik des ÖGB und der Gewerkschaften am Zustandekommen und am Inhalt des neuen Arbeitszeitgesetzes bleibt unvermindert aufrecht. Aber jetzt kämpfen wir Branche für Branche für Verbesserungen im Sinne der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer – in allen Kollektivverträgen!

Mit gewerkschaftlichen Grüßen

Wolfgang Katzian
ÖGB-Präsident

Arbeitszeit – Ziele für die Kollektivvertrags-Verhandlungen

Kürzer arbeiten, mehr Zeit zum Leben

Kürzere Arbeitszeit kann z. B. so erreicht werden:

• Verkürzung der Normalarbeitszeit im KV
• 6 Wochen Urlaub für alle
• Nachholen von Feiertagen, die auf einen Sonntag fallen, am nächsten Werktag
• Bezahlte Pausen
• Rechtsanspruch auf 4-Tage-Woche
• Rechtsanspruch auf Altersteilzeit, Bildungskarenz und andere Auszeit-Modelle

Mehr Planbarkeit und Mitbestimmung

Das kann erreicht werden z. B. durch:

• Zuschläge zu besonders kurzfristig angekündigter Mehrarbeit
• Gleitzeitregelungen mit max. 10 Stunden Höchstarbeitszeit
• Ankündigungsfrist von mindestens vier Wochen für Wochenendarbeit
• 4-Tage-Woche bei Schichtarbeit durch Kollektivvertrag
• Mitwirkungsrechte des Betriebsrats bei Anordnung von mehr als 10/50 Stunden
• Keine Überstunden für Lehrlinge, schon gar nicht an Berufsschultagen
• Altersgerechte Arbeitszeitmodelle

Mehr Selbstbestimmung

Folgende Maßnahmen können beispielhaft zu mehr Selbstbestimmung führen:

• Einseitiger Antritt von Zeitausgleich
• 6 Monate absoluter Kündigungsschutz für ArbeitnehmerInnen in Abteilungen, in denen von der 11. und 12. Stunde Gebrauch gemacht wurde
• Effektives Entschlagungsrecht bei Wochenendarbeit

Überstunden als Ausnahme und nicht als Regel

Damit Überstunden die Ausnahme bleiben, sind z. B. folgende Maßnahmen denkbar:

• 1.700 Euro Mindestlohn, 850 Euro Mindestlehrlingsentschädigung, 14-mal im Jahr, damit das Grundgehalt zum Leben reicht
• 6 Monate absoluter Kündigungsschutz für ArbeitnehmerInnen in Abteilungen, in denen von der 11. und 12. Stunde Gebrauch gemacht wurde
• Zuschläge zu besonders kurzfristig angekündigter Mehrarbeit
• Ankündigungsfrist von mindestens vier Wochen für Wochenendarbeit

Überstunden, die sich lohnen

Wenn ausnahmsweise Überstunden geleistet werden, dann sollen sie sich in Form von mehr Geld und mehr Freizeit lohnen:

• Verpflichtende Zeitzuschläge zu Überstunden
• Verpflichtende Zeitzuschläge zu besonders familienfeindlichen Arbeitszeiten
• Mindestens 100 Prozent Zuschlag auf die 11. und 12. Stunde
• Wahlrecht Zeit/Geld für alle Überstunden
• Rechtsanspruch auf Auszahlung von Überstunden
• Erhöhung des Mehrarbeitszuschlags und Wegfalls des Durchrechnungszeitraums bei Teilzeit

Arbeit darf die Gesundheit nicht gefährden

Um sicherzustellen, dass Arbeit nicht krank macht, sind folgende Maßnahmen vorstellbar:

• Zusätzliche bezahlte Pausen bei Arbeitstagen über die 10. Stunde hinaus
• Beschränkung der 12-Stunden-Tage und 60-Stunden-Wochen im Kollektivvertrag
• Effektives Ablehnungsrecht für alle Überstunden
• Bei Gleitzeit: Festlegung einer Mindestanzahl an ganzen Tagen, die einseitig freigenommen werden können

Rechtssicherheit durch Klarheit
• Schutz für jene, die aus dem AZG/ARG fallen könnten, durch den Kollektivvertrag
• Alle Regeln müssen auch für die „3. Führungsebene“ gelten
• Anrechnung aller Karenzzeiten auf alle dienstzeitabhängigen Ansprüche

HV 2018: Positionierung Pädagogische Hochschulen

Bei der Hauptversammlung des SLÖ-PH Wien wurde folgender Offener Brief an BM Heinz  Faßmann beschlossen:

Der SLÖ-PH Wien fordert einen eigenständigen, vollautonomen Hochschultyp „Pädagogische Hochschule“ neben Universitäten und Fachhochschulen mit Promotionsrecht in den Bereichen Elementar-, Primar- und Berufsbildung

Begründung:

Das Gelingen von Bildung und die Sicherstellung der regionalen Erfordernisse in der PädagogInnenbildung erfordern die Einrichtung eigenständiger, vollautonomer Pädagogischer Hochschulen mit Promotionsrecht in den Bereichen Elementar-, Primar- und Berufsbildung.

Neben der evidenzbasierten und professionsorientierten Ausbildung von PädagogInnen sind die Fort- und Weiterbildung, die Schulentwicklungsbegleitung und die berufsfeldbezogene Forschung die Gelingensfaktoren für eine qualitativ hochstehende Bildung für alle Kinder und Jugendliche.

Pädagogische Hochschulen verfügen über die Kompetenzen und Strukturen um diesen komplexen Anforderungen im Sinne des Professionskontinuums gerecht zu werden.

Die gesellschaftliche Wichtigkeit der Bildung verlangt einen eigenständigen, vollautonomen Hochschultyp, dessen zentrales Anliegen in Lehre, Forschung und Schulentwicklungsbegleitung ist,  PädagogInnen im schulischen und außerschulischen Bereich evidenzbasiert aus-, fort- und weiterzubilden und die jeweiligen Bildungseinrichtungen bei ihrer Weiterentwicklung zu unterstützen.

Zur wissenschaftlichen Weiterentwicklung und Stärkung des eigenständigen, professionsorientierten Hochschultyps „Pädagogische Hochschule“ ist ein Promotionsrecht für die Bereiche Elementar-, Primar- und Berufsbildung Grundvoraussetzung.

 

gpa-djp: Aufruf zum Protestmarsch am 24. Jänner in Wien

Demonstrieren ist gesund! Gemeinsam mit anderen Menschen macht mensch selbst Bewegung…

Diesmal ruft die Gewerkschaft zur solidarischen Unterstützung der Kollektivvertragsverhandlungen auf:

Wir werden gemeinsam vom Platz der Menschrechte durch die Mariahilfer Straße in die Apollogasse zum Hauptsitz des SWÖ-Arbeitgeberverbands marschieren und dort mit Nachdruck auf unsere Forderungen hinweisen.

Wir ersuchen dich als GewerkschafterIn uns und die betroffenen KollegInnen dabei solidarisch zu unterstützen, damit wir im Sinne der ArbeitnehmerInnen einen positiven Abschluss tätigen können.

Treffpunkt: 15:00 Uhr
Wo: Platz der Menschenrechte, 1070 Wien, Mariahilfer Straße 1
Dauer: ca. 2 Stunden
Protestmarsch über die Mariahilfer Straße
Abschlusskundgebung gegen 17:00 Uhr, 1060 Wien, Apollogasse 4

weitere Infos: Webseite gpa-djp

Reaktionen auf das Regierungsprogramm

Die neue (mitte-)rechts Regierung ist angelobt und hat ihr Regierungsprogramm für 2017-2022 veröffentlicht.  Inhaltliche Umsetzungen werden wohl noch auf sich warten lassen, der personelle Umbau zur verstärkten Kontrolle der Ministerien durch Einrichtung ideologisch entsprechender Leitungsposten ist bereits im Gange (vgl. Standard 21.12.2017).  Dass nun alle relevanten Sicherheitsbereiche in der Hand der FPÖ liegen (Geheimdienste, Polizei, Heer,…) lässt eine Verstärkung des Überwachungsstaates mit rechtsnationalem Einschlag befürchten (vgl. Standard 21.12.2017- Userkommentar Binder).

Erste Analysen und Reaktionen auf das Regierungsprogramm gibt es bereits zum Nachlesen:
# Stellungnahmen des ÖGB : „Koalition: Industrie – Wünsche erfüllt“ titelt Ernst Foglars Kritik am Regierungsprogramm.

# Arbeiterkammer: Erste Einschätzung zu den Plänen der Regierung 

# SPÖ: Kern zu schwarz -blauem Regierungsprogramm: Reihe von Rückschritten – Massive SPÖ Kritik am regierungsprogramm

# Kontrast.at : Das bringt Schwarz-Blau: 12 Stunden-Tag, steigende Mieten und Steuergeschenke für Konzerne

# ÖH – Petition: Wir brennen für freie Bildung

# ÖFEB – Stellungnahme:  Inklusion statt Exklusion! Zusammen“ und nicht „getrennt“!

# Robert Misik: Das Gruselkabinett, sein Programm der Grauslichkeiten – und was wir jetzt zu tun haben.

# Kinder- und Jugendanwaltschaft Wien:  Reaktion auf das Regierungsprogramm

# Netzwerk SprachenRechte: pdf download: 2017-12-17_Stellungnahme_SprachenRechte

# Stellungnahme von Forschenden und Lehrenden des Bereichs Deutsch als Zweitsprache

# Stellungnahme des Bundesverbandes Medienbildung zum Regierungsprogramm (Jänner 2018)

Die Analysen zeigen, dass Sparprogramme auf dem Rücken der Schwächsten geplant sind. Damit der dafür zu erwartende Widerstand möglichst geschwächt wird, versucht die Regierung auch die AK und den ÖGB zu schwächen. Misik bringt einiges an Ideen für die zukünftige Arbeit.

Es gilt daher die Maßnahmen der Regierung  genau zu beobachten, zu analysieren und auch solidarisch zu reagieren. Seitens des SLÖ PH Wien werden wir uns insbesondere mit den Entwicklungen im Bildungssektor beschäftigen. Erste Meldungen, wie z.B. zur durchgehenden Wiedereinführung der Notenbeurteilung, Studiengebühren,… lassen hier einige Rückschritte im Bildungswesen erwarten.

Alle Mitglieder sind herzlich eingeladen, an einer genaueren Analyse der Vorhaben mitzuarbeiten und  entsprechende Hinweise und Statements an unsere Vorstandsmitglieder zu übermitteln. Dieser Beitrag wird laufend durch Stellungnahmen erweitert und aktualisiert.